Talentschuppen

Praxis für     Begabtenförderung

Hochbegabte Kinder sind auch "nur" Kinder


Manchmal fragen sich Eltern hochbegabter Kinder, ob es ein Fluch oder ein Segen sei, ein besonders intelligentes Kind zu haben.

Nur jedes zweite bis dritte von einhundert Kindern hat im Durchschnitt eine Hochbegabung, das heißt, es hebt sich deutlich von bereits überdurchschnittlich begabten Kindern ab. In Deutschland spricht man von Hochbegabung ab einem IQ von 130.

In unserer Gesellschaft hat sich das Bild manifestiert, ein hochbegabtes Kind sei gleichzusetzen mit besonders hervorstechenden und brillanten Noten in der Schule. Wenn dies jedoch so einfach wäre, könnten die betroffenen Eltern wesentlich ruhiger schlafen.

Schon im Vorschulalter fallen besonders begabte Kinder häufig dadurch auf, dass sie früher sprechen können, sehr neugierig sind und sich für ausgefallene Themen interessieren.

Doch ist es schwer auseinanderzuhalten, ob dass Kind einfach nur schnell entwickelt oder hochbegabt ist.

Noch schwieriger wird es, wenn Kinder mit Migrationshintergrund in der Kita sprachlich nicht auffallen, da sie noch hauptsächlich in ihrer Muttersprache kommunizieren.

Im Schulalter fallen diese unentdeckten, unterforderten Kinder dann häufig durch auffälliges Verhalten auf. Wiederholt langweilt sich das Kind bei der Beschäftigung mit Gleichaltrigen. Es ist unterfordert und stört die anderen Kinder dadurch, oder zieht sich in seine Fantasiewelt zurück und ist zunehmend isoliert und traurig.

Eine Hochbegabung zeigt sich oft nur auf einem bestimmten Gebiet. Zum Beispiel kann das Kind besonders mathematisch begabt sein, logisches komplexes Denken fällt ihm leicht.

Andere wiederum finden ihre Hochbegabung auf musischem oder auch sportlichem Gebiet. Manchen Kindern fällt das Rechnen besonders schwer, aber künstlerisch leisten sie hervorragende Arbeit. Sprachliche Begabung geht auch oft mit sozialen Kompetenzen einher. Unter Umständen kommt es sogar vor, dass ein Kind auf mehreren Gebieten hochbegabt ist.

Ist ein Kind sportlich oder musisch hochbegabt, ist das Verständnis in der Gesellschaft noch am höchsten.

Die Folgen einer Hochleistung können sich bei Jungen und Mädchen gleichermaßen äußern. Mädchen neigen allerdings zu sehr angepasstem Verhalten, versuchen es allen Recht zu machen und die hohen Erwartungen zu erfüllen. In der Pubertät reagieren sie jedoch oft mit psychosomatischen Schwierigkeiten wie Essstörungen oder Depressionen.

Jungen zeigen im Grundschulalter eher wütendes und aggressives Verhalten, provozieren Gleichaltrige und Erwachsene und erfahren dadurch sehr früh Ablehnung- obwohl sie den gleichen Leidensdruck verspüren wie Mädchen. Nicht selten entwickeln diese Jungen sogar sonderpädagogischen Förderbedarf.


In beiden Fällen werden Eltern in Kita, Schule und familiärem Umfeld mit Vorurteilen konfrontiert und finden sich häufig in einer ständigen Rechtfertigung wieder:

Wahlweise wird ihnen unterstellt, sie seien Tenniseltern, sozial privilegiert, erziehungsunfähig, eingebildet oder ihr Blick auf das Kind sei unrealistisch.

In den meisten Fällen sind hochbegabte Kinder einfach nur besonders begabt und unauffällig. Dies wurde in zahlreichen Studien belegt.

Kommt es jedoch zu Problemen in der Kita, Schule oder im Zusammenleben mit anderen Kindern, gilt es, differenziert Ursachenforschung zu betreiben und die genauen Bedürfnisse des Kindes UND der Eltern und Familie zu berücksichtigen.
Ein hochbegabtes Kind kann Eltern und Geschwister stark fordern, und die Förderung stellt oft eine zeitliche und finanzielle Belastung dar.

Andererseits ist es aber auch eine Freude, mitzuerleben, wie leistungsfähig und kreativ Kinder mit einer besonderen Begabung sind!

Diagnose von Hochbegabung:

Eltern können hochbegabte Kinder teilweise in ihrem Verhalten in den ersten Lebensjahren durch folgende Merkmale erkennen, wobei mindestens zwei Drittel davon beobachtbar sein sollten:

  • Ist das Kind gegenüber gleichaltrigen Kindern weit entwickelt? Ist es etwa schon lange vor seinem ersten Geburtstag gelaufen, hat es mit zwei Jahren viel gesprochen oder zeigt es andere außergewöhnliche Fähigkeiten?
  • Ist das Kind im Alltag sehr neugierig und wissbegierig, stellt es viele Fragen?
  • Braucht das Kind ständige Beschäftigung, weil es sich sonst schnell langweilt?
  • Erledigt das Kind Aufgaben sehr schnell oder extrem langsam?
  • Ist das Kind sehr ehrgeizig, und möchte es immer noch mehr können?
  • Ist das Kind sehr selbstreflektiert und stellt sich existenzielle Fragen?
  • Wird das Kind wütend, wenn ihm Dinge nicht gelingen?
  • Liest das Kind häufig auch Bücher für ältere Kinder?
  • Ist das Kind in Gruppen sehr dominant, weil es alles besser weiß und schneller macht?
  • Übernimmt es entweder die Führungsposition oder wird es als Außenseiter ausgegrenzt oder zieht sich schnell zurück?
  • Ist das Kind sensibel und manchmal sehr lärmempfindlich oder empfindlich gegen Gerüche und Geschmäcker?
  • Zieht es das Kind vor, mit älteren Kindern zu spielen, denen es sich geistig nicht überlegen fühlt?


Bei der Einschätzung von Begabung / Hochbegabung sind grundsätzlich zwei Fehler denkbar:

  • Ein Kind wird zu Unrecht aufgrund von Beobachtungen als hochbegabt eingestuft. Das kann passieren, wenn günstige Umweltfaktoren und förderliche Lerneigenschaften wie Fleiß, Lerneifer, gute Konzentrationsfähigkeit und Leistungsbereitschaft zusammentreffen und intensiv gefördert werden. (Overachiever)
  • Ein Kind wird zu Unrecht als nicht hochbegabt eingeschätzt, da seine schulischen Leistungen nur befriedigend oder sogar schwach sind und sein Verhalten sowohl im sozialen als auch arbeitsmäßigen Bereich stark auffällig sein können. (Underachiever)

Ein Intelligenztest ist dazu geeignet, Hinweise auf eine vorliegende Hochbegabung zu geben.
Die von mir angewandte Testbatterie ist aktuell normiert und für einen standardisierten Test recht breit gefächert.
Um aber die Gesamtpersönlichkeit des Kindes und die Beziehungen in Familie und Schule/Kita zu erfassen, können noch andere diagnostische Verfahren geeignet sein, um entsprechende Erziehungs- und Förderhilfen abzustimmen.

Begleitend zur Diagnose "Hochbegabung" sind manchmal auch Screeningverfahren aus den Bereichen Wahrnehmung (ADS/ADHS) und/oder Emotionale Entwicklung (Autismusspektrum) sinnvoll.


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