Talentschuppen

Praxis für     Begabtenförderung


Autismusspektrumstörung und Hochbegabung


Definition und Formen von Autismus

Autismusspektrumstörungen gelten als neurologische Besonderheit, verbunden mit Schwierigkeiten

  •  in der sozialen Interaktion
  • der sozialen Kommunikation und
  • dem sozialen Verständnis

sowie…

  • einer abweichenden Wahrnehmungsverarbeitung
  •  ungewöhnlichen Denkweisen und Problemlösungen
  •  intensiven, oft sehr speziellen Interessen (“Spezialinteressen”)
  •  atypischen, manchmal repetitiven Bewegungen (Stereotypien) und
  • einem Bedürfnis nach Routinen und Beständigkeit.
  • Diese Besonderheiten verursachen Beeinträchtigungen im Leben in einer nicht-autistischen Welt, deshalb wird Autismus als Behinderung klassifiziert.


Formen von Autismus    

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Man unterscheidet gemeinhin den High-Functioning-Autismus von “klassischem” frühkindlichem Autismus

Der Unterschied besteht im Kern in der (gemessenen) Intelligenz. Das kognitive Niveau von Menschen im Autismus-Spektrum ist allerdings schwierig zu messen – ein autistisches Kind, das kein Interesse an den Aufgaben hat, wird sich vielleicht gar nicht damit beschäftigen oder nur willkürlich Antworten ankreuzen. Zudem hat sich herausgestellt, dass ein häufig verwendeter Test, der Hamburger-Wechsler-Test, den IQ vom Menschen im Autismus-Spektrum systematisch unterschätzt.
Keine Unterschiede gibt es in anderen Bereichen: Auch HFA-Autisten zeigen häufig eine Verzögerung der Sprachentwicklung und weisen die typischen Symptome einer “Autismus-Spektrum-Störung” auf, wie z.B. Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und Stereotypien.


Autismusdiagnose

Die Autismus-Diagnostik ist aufwendig und komplex…

Sie umfasst auch ergänzende Untersuchungen, die nicht direkt zur diagnostischen Abklärung von Autismus dienen, sondern der Abklärung bzw. dem Ausschluss anderer Probleme.

Die Autismus-Diagnostik bei Kindern lässt sich in drei Bereiche einteilen:

  • Autismus-spezifische Diagnostik
  • Intelligenz-und  Entwicklungsdiagnostik
  • medizinische Diagnostik

 

Screening-Tests

FSK (Fragebogen zur sozialen Kommunikation)

ADOS (Beobachtungsskala für Autistische Störungen)

ADI-R (Autism Diagnostic Interview – Revised, Diagnostisches Interview für Autismus – revidierte Version)


ADOS (Beobachtungsskala für Autistische Störungen)

Der ADOS ist eine standardisierte Beobachtungsskala, um autistische Besonderheiten in der Kommunikation, sozialen Interaktion und im Spielverhalten zu erkennen. Außerdem hilft der ADOS festzustellen, ob eine Person stereotype Verhaltensweisen oder eingeschränkte
Interessen hat. Dabei schafft der Diagnostiker gezielt soziale Situationen, in denen bestimmte Verhaltensweisen mit großer Wahrscheinlichkeit auftreten.

Er kann ab einem Entwicklungsalter von 18 Monaten eingesetzt werden. Er besteht aus vier verschiedenen Modulen, die jeweils eine halbe bis eineinhalb Stunden dauern. Je nach Alter und Sprachentwicklung wird ein geeignetes Modul ausgewähltADI-R (Diagnostisches Interview für Autismus)

Der ADI-R ist eine ausführliche Befragung der Eltern oder eines Elternteils (oder einer anderen Hauptbezugsperson). Das Kind ist dabei nicht anwesend. Der ADI-R dauert etwa eineinhalb bis vier Stunden.

Abgefragt werden dabei neben autismustypischen Verhaltensweisen (Kommunikation und Sprache, Soziale Entwicklung und Spielverhalten, Interessen und repetitives Verhalten) auch Hintergrundinformationen über Kind und Familie, die frühe Entwicklungsgeschichte, Spracherwerb und Hinweise auf andere Diagnosen.


Intelligenz-und Entwicklungsdiagnostik

KABC II

 

Medizinische Diagnostik

Dazu können z.B. ein EEG, MRT, eine körperliche Untersuchung, eine genetische Untersuchung oder ein Hörtest, unter Umständen auch ein Sehtest gehören. Keine dieser Untersuchungen dient dazu festzustellen, ob ein Kind autistisch ist oder nicht, sie dienen lediglich der Differentialdiagnostik.

 

Differentialdiagnose und Komorbiditäten

Im Rahmen der Autismus-Diagnose ist es wichtig, andere Diagnosen auszuschließen; das nennt man Differentialdiagnose.

Auffällige Verhaltensweisen sind manchmal schwer zuzuordnen. Wenn ein Kind zum Beispiel (noch) nicht spricht, steht oft der Verdacht auf Autismus im Raum, aber es könnte auch sein, dass das Kind nicht gut hört und deshalb nicht spricht, dass es eine spezifische Sprachentwicklungsstörung hat, mutistisch ist, oder einfach etwas später dran mit dem Sprechen.

In jedem Fall wäre es das Ziel, dem Kind sinnvolle Kommunikation zu ermöglichen. Für die Wahl der Herangehensweise ist es aber entscheidend zu erkennen, was das Problem ist. Plakativ gesagt wird ein schwerhöriges Kind nicht von einer Autismus-Therapie profitieren und ein autistisches Kind keinen Nutzen von einem Cochlea-Implantat haben. Eben deshalb ist die korrekte Diagnose so wichtig.

Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen, die in der Autismus-Diagnostik bei Kindern zu berücksichtigen sind, gehören ADS und ADHS, Intelligenzminderung, Verhaltensstörungen (z.B. Bindungsstörung), Soziale Phobie, Depression, Sprachentwicklungsstörungen, Hör- und Sehstörungen, Tics, Zwangsstörungen, Rett-Syndrom und Fragiles X-Syndrom.

Daher ist es wichtig eine Diagnose nicht als punktuelles Ereignis, sondern als Beobachtungsprozess aus verschiedenen Perspektiven zu sehen.